Segel-Club Spandau e.V. | Törn „Der Kreis ist nun geschlossen“
Der Berliner Segelclub für Jung und Alt. Wir födern den Regattasport und das Fahrtensegeln. Segelinteressierten Kindern, auch denen, die es noch werden wollen, bieten wir eine Ausbildung.
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Törn „Der Kreis ist nun geschlossen“

In diesem Jahr sollte „SPICA“ von den Azoren über Madeira zu den Kanaren überführt werden. Für den Törn hatte ich 2 Segler über das Internet gefunden. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt erschienen beide in der Marina Angra do Heroismo (Insel Terciera; Azoren), dem Starthafen. Auch diesmal war es für mich recht spannend, welche Leute da wohl an Bord kommen würden. Bis auf die in den E-Mails gemachten Angaben waren mir beide unbekannt. Auch die Segler selbst kannten sich untereinander noch nicht. Da einer davon Schwabe war, stellte sich nur die Frage, ob eine sprachliche Verständigung möglich ist. Um es vorweg zu sagen – es funktionierte – und es war recht unterhaltsam.

Für den ersten Tag hatte ich lediglich die obligatorische Einweisung an Bord, danach Lebensmittel bunkern und abends den Begrüßungsumtrunk vorgesehen. Am nächsten Morgen blieb dann noch zu tanken, Wasserübernahme und ausklarieren in der Marina. Gegen Mittag hieß es endlich Leinen los.

Die erste Etappe über 150 sm nach Santa Maria hatte begonnen. Schon nach einigen Meilen zeigte sich, dass die Crew Erfahrung im Hochseesegeln hatte – eine beruhigende Feststellung für mich. Auf dieser Strecke gab es keine Probleme so dass 02:00 Uhr morgens in der Marina Vila do Porto (Santa Maria) festgemacht werden konnte. Da die nächsten Tage absolute Flaute herrschen sollte, war an eine schnelle Weiterreise nicht zu denken. So blieb Zeit diese landschaftlich sehr schöne Insel zu erkunden sowie die Vorräte zu ergänzen. Endlich am dritten Tag war auf der Kaimauer ein Windhauch zu spüren und der Seewetterbericht versprach für die folgenden 72 Stunden eine Zunahme auf 4 bis 5 Bft, allerdings nicht ganz aus der gewünschten Richtung. Es müsste also ein Kurs hoch am Wind gesegelt werden. Da sich die Crew trotzdem für den Start entschied, hieß es am folgenden Morgen wieder Leinen los.

Die 2. Etappe über 525 sm nach Madeira lag jetzt vor uns. Zum ersten Tag gibt es nicht viel zu sagen. Aufgrund des zunächst noch schwachen Windes musste der Diesel angeworfen werden, um einigermaßen Strecke zu machen. Abwechslung brachte unter Anderem eine Delfinschule mit mehr als 30 Tieren, die das Boot fast eine halbe Stunde begleitete. Die Wachen verliefen problemlos. Es wurde gekocht und dann auch ordentlich gegessen. Nachts änderte sich aber langsam die Situation. Anhand der heruntergeladenen GRIB Daten war zu erkennen, dass der Wind, wie auch vorausgesagt, zunehmen würde. Wenig später bestätigte sich die Prognose. Aus dem lauen Lüftchen entwickelten sich 25 Knoten, wobei die einfallenden Böen bereits eine Stärke von 30-35 Knoten hatten. Es war an der Zeit die Segelfläche zu verkleinern. Das 1. und schon kurz danach das 2. Reff wurden im Groß eingebunden. Da am folgenden Tag der Wind Sturmstärke erreichte, musste schließlich auch noch die Fock um 50% verkleinert und das Groß komplett geborgen werden. Die Wellen waren jetzt 3 m, teilweise 4-5 m hoch. Seen kamen immer öfter über und im Cockpit wurde es nass. Gischt begann von den Wellenkämmen auszuwehen. Bei den heftigen Bootsbewegungen verletzte sich leider ein Mitsegler, der ungewollt einen Spagat machte und sich dadurch eine Muskelzerrung zuzog. Aufgrund der Schmerzen wurde er in seine Koje bugsiert und erhielt dort sehr starke Tabletten.

3. Tag, nachts gegen 02:30 Uhr. Meine Ruderwache ist bald zu Ende. Während der letzten 4 Stunden war ich mehrmals komplett geduscht worden. Immer öfter blicke ich auf die Armbanduhr und sehne das Ende der Wache herbei. Endlich ist im Salon Licht zu sehen. Die Ablösung macht sich fertig, kommt anschließend ins Cockpit und hangelt sich von dort zum Ruderstand. Kurze Info meinerseits zu Kurs und Windstärke der letzten Stunden, Übergabe des Ruders „Gute Wache“ ,“ Gute Ruh“ (falls es letztere geben sollte). Danach geht es unter Deck. Luk und Schott zu. Endlich die nassen Sachen aus- und trockene anziehen, wobei diese Prozedur bald 20 Minuten dauert. Es folgt ein kurzer Imbiss mit „Brot und Wurst auf die Hand“ sowie einer Tasse heißen Tee, welchen die Freiwache gebrüht hatte. Nun konnte ich mich auf der Leekoje hinlegen (wir schieben teilweise 20° Lage) um etwas Schlaf zu finden. Doch die Ruhe dauerte nicht lange. Nach vielleicht 15 Minuten klopft der Rudergänger energisch mit der Winschkurbel auf das Deck. Das Signal, welches sofortiges Erscheinen der Freiwache erfordert. Zum Anziehen der Segelsachen bleibt keine Zeit. Lediglich die Weste wird angelegt. Kaum im Cockpit angelangt erhalte ich wieder eine Volldusche, was aber nicht weiter registriert wird. Der vorgenommene Rundblick zeigt, dass aufgrund der groben See und des starken Windes die Fock unbedingt weiter (auf dann 1/3) verkleinert sowie das Achter- und Bakstag weiter durchgesetzt werden muss. Unter den Bedingungen eine harte Arbeit. Nachdem das erledigt ist und bevor es anschließend wieder nach unten geht, sage ich dem Rudergänger noch, dass er mich sofort wecken soll, wenn der Windmesser mehr als 40 Knoten anzeigt. Dann muss die Sturmfock gesetzt werden. Nachdem der Niedergang geschlossen ist, wird wieder die nasse gegen trockene Wäsche getauscht. Anschließend setze ich mich erst einmal auf die Koje um auszuruhen. Dass dies der falsche Ort ist, zeigt sich unmittelbar danach. Eine über das Deck gehende See schickt einen nassen Gruß durch die über der Koje befindliche (und nicht verschlossene!) Öffnung des Doradelüfters in den Salon. Wieder alles nass… zum Teufel noch mal !!!!!

Auch der folgende Tag brachte keine wesentliche Besserung des Wetters. Wir segelten weiter hart am Wind. Zum Glück hatte aber dessen Stärke nicht weiter zugenommen. Das von mir gekochte Essen wurde von der Crew nicht mehr angerührt. Trockenes Brot war jetzt der Favorit. Erst nach der Einnahme von Tabletten gegen Seekrankheit kam der Appetit – zumindest etwas – zurück.

Am 4. Tag nachmittags konnte endlich Madeira am Horizont ausgemacht werden. Der Wind hatte inzwischen nachgelassen und blies jetzt mit 15-20 Knoten. Lediglich die Böen waren noch recht heftig. Es war an der Zeit das Großsegel wieder bis zum 2.Reff zu setzen und die Fock auszurollen.

Gegen 22:00 Uhr erreichten wir die Leeseite der Insel. Sofort, wie abgeschaltet, wurde es ruhig und die Wellen (nun nur noch mit 0,5 m Höhe) erträglich. Es folgten 15 Meilen unter Motor entlang der Küste bis zur Inselhauptstadt Funchal. Um 02:00 Uhr erreichten wir endlich die Marina. Da, alle Stege belegt waren, wurde längsseits an einem, an der Kaimauer liegenden Fischerboot festgemacht. Motor aus, dann der obligatorische Anleger und anschließend ging es in die Kojen. Endlich wieder ohne Schaukelei schlafen! Nach dem problemlosen einklarieren am nächsten Morgen wurde aus unserem Boot ein Wäscheschiff, denn alle nassen Klamotten sowie das Bettzeug kamen zum Trocknen an Deck.

Für den Aufenthalt in Madeira hatte ich 2 Tage vorgesehen. Es blieb also Zeit für eine Stadtbesichtigung. Bereits da konnte man sehen, dass in den oberen Lagen ein Feuer ausgebrochen war. Im Laufe des Tages breiteten sich die Flammen immer weiter aus und der gesamte obere Stadtteil verschwand unter dichtem Rauch. In der folgenden Nacht sah es aus wie im Krieg. Die Flammen schlugen meterhoch und in Abständen explodierten mit lautem Knall und jeweils einer riesigen Stichflamme die an den Häusern stehenden Gastanks. Da der Wind weiter kräftig blies, waren die Anstrengungen der Feuerwehr, den Brand in den Griff zu bekommen, fast aussichtslos. Die Fernsehberichte zeigten, wie Einwohner mit Eimerketten versuchten, die Flammen zu löschen – 300 Häuser waren zu dieser Zeit bereits verbrannt und 3 Personen ums Leben gekommen. Im Hafen und an Bord konnte man sich aufgrund der Rauchentwicklung zeitweise nicht mehr aufhalten. In den Straßen sah man weinende Menschen, welche offenbar gerade erfahren hatten, dass ihr Haus oder ihre Wohnung ein Opfer der Flammen geworden war. Auch die Geschäfte der Innenstadt wurden prophylaktisch geschlossen, da man befürchtete, dass sich das Feuer den Berg hinab bis zur See ausbreiten würde. Am folgenden Tag ließ endlich der Wind nach und änderte auch die Richtung. Die unmittelbare Gefahr war damit, zumindest für die untere Stadt, gebannt.
Die Schmerzen des verletzten Mitseglers ließen trotz der starken Tabletten nicht nach. Da ein Verbleib an Bord nicht zu verantworten war, wurde für ihn der Rückflug gebucht. Er hatte Glück im Unglück und konnte bereits am folgenden Morgen die Heimreise antreten.

Die letzte Etappe über 253 sm nach Teneriffa musste nun zu zweit zurückgelegt werden. Der geänderte Wachplan sah jetzt jeweils 4 Stunden Wache und 4 Stunden Ruhe vor. Nachdem unser Pechvogel das Boot verlassen hatte, wurde ausklariert und anschließend sofort abgelegt. Im Gegensatz zum ersten Teil des Törns verlief dieser erste Tag recht ruhig. Ein guter Segelwind (diesmal auch aus der richtigen Richtung) brachte SPICA auf Trab, so dass teilweise 7 bis 8 Knoten auf der Logge zu sehen waren. Leider ließ dieser aber bereits am folgenden Tag nach und flaute dann fast völlig ab. Der Motor musste wieder einmal helfen. Vor der Einfahrt in
den Kanal zwischen Gran Canaria und Teneriffa fing es jedoch noch einmal mit 30 Knoten ordentlich an zu blasen. Dieser Abschiedsgruß von Rasmus hielt fast bis zur Hafeneinfahrt Santa Cruz an. Erst nachdem diese passiert war, konnte (nun hinter der schützenden Kaimauer) die Marina in Ruhe angesteuert werden. Dort warteten schon die über Funk benachrichtigten Marineros an der Steganlage, um die Leinen anzunehmen. Kurze Zeit später lag SPICA wieder fest vertäut am Schwimmsteg. Für den nächsten Tag war Aufklaren angesagt. Anschließend noch ein Abschiedsessen in einem der vielen Restaurants und bereits 24 Stunden später flog auch der zweite Mitsegler nach Hause.

In dieser Saison wurden 1.141 sm (davon 940 sm unter Segel) zurückgelegt.
Mit der Ankunft in Santa Cruz hat sich der Kreis unserer kleinen Atlantikrunde geschlossen. Genau vor 10 Jahren sind Ilona und ich von hier aufgebrochen. Zu zweit haben wir in dieser Zeit interessante Inseln und viele Menschen kennengelernt. Es war manchmal anstrengend, aber zum überwiegenden Teil sehr schön. Zu den besuchten Inseln und Inselgruppen zählten die kapverdischen Inseln, in der Karibik die Kleinen Antillen, gefolgt von den Azoren und schließlich Madeira. Insgesamt wurden rund 11.000 Seemeilen (mit wechselnder Crew bei den Transatlantiktörns) zurückgelegt.

Und was kommt als nächstes??? Schaun wir mal…

D. Kießling
SY SPICA



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